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Bewerbung

Hier geht es zusammengefasst um alles was mit Ausbildung und Beruf zu tun hat.

Re: Bewerbung

Beitragvon Dipl jur Meier » 21. August 2009 08:19

Es ist schön zu sehen, wie hier Diskussionen geführt werden, Meinungen ausgetauscht und auch vertreten werden.
Hier ist es nun so, dass dieser Bereich -arbeitsrechtliche Belange bei Menschen mit Diabetes- seit jeher schwierig, umstritten und undurchsichtig ist/erscheint.

Folgende Fakten möchte ich aufzählen:
    1. Fragt ein Arbeitgeber nach Diabetes, ist dies eine unzulässige Frage. Unzulässige Fragen müssen nicht beantwortet werden (streitig, ob gelogen werden darf). Keine Unzulässige Frage nach der Diabetes ist es allerdings, wenn die Diabetes sich so sehr auf das Tätigkeitsfeld auswirkt, dass dieses gar nicht ausgeübt werden kann.

    2. Fragt ein Arbeitgeber nach einer Schwerbehinderung -also einem Grad der Behinderung von 50 und mehr- ist diese Frage -bis jetzt noch- zulässig. Zulässige Fragen müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Eine Lüge oder ein Verschweigen kann zur nachträglichen Aufhebung des Vertrages durch Anfechtung wegen arglistiger Täuschung führen. Hier hat die Rechtsprechung bisher den Standpunkt vertreten, dass bei einem schwerbehindertem Arbeitnehmer sich zahlreiche Pflichten (z.B. Mehrurlaub, Kündigungsschutz, etc.) für den Arbeitgeber ergeben, eine Einstellung somit wirtschaftlich nachteilige Auswirkungen aus den Arbeitgeber haben kann.

    3. Die Rechtsprechung zum Angeben der Schwerbehinderung kann sich in den nächsten Jahren ändern. Grund kann/wird sein das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie die Neufassung des § 81 Abs II SGB IX. Ich persönlich gehe davon aus, dass analog der Diabetes-Frage festgestellt wird, dass die Frage unzulässig ist, es sei denn, mit der Behinderung könne der Job nicht ausgeübt werden. Ein Beispiel dafür fällt mir übrigens nicht ein.

    4. Auch Diabetiker können Taxi- und Busfahrer werden. Natürlich ist das Schutzgut -die Sicherheit des Strassenverkehrs, also der anderen Verkehrsteilnehmer hoch- jedoch hat der Gesetzgeber dafür sich einfallen lassen, dass bei Nachweis der Unbedenklichkeit auch ein Diabetiker Taxi- und Busfahrer werden kann. Übrigens haben wir einen Taxifahrenden Jung-Diabetiker hier im Forum, der bereits erfolgreich diese meine These bewiesen hat.

    5. Diabetiker haften nicht mehr, als alle anderen auch. Wenn in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen steht, dass Diabetes den Versicherungsschutz ausschließt, dann ist das eben so. Im Umkehrschluß heißt das, dass der zitierte Handwerker seinen Versicherungsvertrag nicht vernünftig gelesen hat, nicht vernünftig beraten wurde, nicht ehrlich bei den Angaben war. Es heißt jedoch nicht, dass kein Diabetiker versichert wird. Diese generelle Aussage ist falsch.

    6. Diabetiker können auch Versicherungen abschliessen und Risiken damit abdecken. Da bei den Versicherern das Motto gilt, "keine brennenden Scheunen zu versichern" und Versicherungen immernoch wirtschaftliche Interessen verfolgen, werden einige Versicherungsarten nicht für Diabetiker angeboten/mit Hohen Zuzahlungen belegt. Dazu gehört zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung, aber gelegentlich sträuben sich auch private Krankenversicherer.

Und zu guter Letzt möchte ich nochmal etwas zu "Recht haben und Recht bekommen" sagen.
Wenn die Menschen mit Schwierigkeiten aufgrund ihrer Diabetes nicht zu einem Rechtsanwalt (am Besten einen Fachanwalt für Sozialrecht oder einem Anwalt mit langer Erfahrung in diesem Bereich) gehen und sich durch Ärzte und Schulungen "Rechtsrat" erteilen lassen, dann mag es so erscheinen, als würde man nicht immer Recht bekommen, obwohl man Recht hat.
Aber leider ist das in der Juristerei so, dass bereits ein falsch gewähltes Wort über Wohl und Wehe entscheiden kann.
Versucht man es nun alleine mit Rechtsrat aus der Schulung oder "dem Internet", kann es auch nicht immer klappen, dass man bekommt, was man will.
Das macht ja aber auch Sinn, wenn man sich überlegt dass dafür Menschen studieren müssen und gegebenenfalls noch eine Fachweiterbildung abgelegt haben.
Denn eines ist ja wohl klar:
Ich gehe auch nicht zum Schlachter, wenn ich Brötchen haben will - oder zum Hautarzt, um meine Diabetestherapie zu besprechen.

Ich hoffe sehr, das sich helfen konnte.
Wenn nicht, freue ich mich über Fragen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Rechtsanwalt Dipl. jur. Jens-Arne Meier
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email: recht@diabetes-teens.net
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Re: Bewerbung

Beitragvon Louis93 » 5. Juni 2010 14:19

Hallo ich habe ein mittelschweres Problem :D

ich will mich für einen Ausbildungsplatz bewerben. Ich habe 3 Interessenten ausgewählt, wo ich mich bewerben möchte.
Nun hab ich folgendes Problem:
Ich besuche z.Z. die Höhere Handelsschule d.h. ich strebe eigendlich das Fachabi an. Bin in der 11. Klasse.
Ich möchte aber nun gerne eine Ausbildung machenm, weil ich meinen Beruf gefunden habe, den ich mir wünsche und das mit Fachoberschulabschluss. (brauche dafür kein Fachabi) nun hab ich aber eine 5 in mathe und spanisch. der rest ist 3-4......
Ich wollte eigendlich schreiben bzw sagen das ich Diabetes habe und desshalb ein halbes jahr (ist die wahrheit) nicht richtig am unterricht teilnehmen konnte.
Was soll ich machen ?? Reinschreiben oder nicht ?? Wenn nicht; was soll ich dann sagen das ich schlechte noten habe ?? :( Oder interessiert den Vorsitzenden das garnicht, sondern möchte nur mein Fachoberschulabschlusszeugnis sehen ??

lieben gruß und danke für die antworten :)

*ist hier jemand logistik - speditionskaufmann?

~~ EDIT ~~

Ich finds schade, dass das forum nur noch voll wenig genutzt wird ...
meine frage hat sich übrigens geklärt
Zuletzt geändert von Louis93 am 5. Juni 2010 14:19, insgesamt 2-mal geändert.
zuckersüß
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Re: Bewerbung

Beitragvon Dori » 6. Juni 2010 16:28

wie hast du dich denn entschieden?
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"The piano keys are black and white,
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Re: Bewerbung

Beitragvon Jan » 16. Februar 2012 18:42

Auch hier noch zur Ergänzung:

Da es ja immer wieder Thema ist, das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat gerade entschieden, dass man eine Schwerbehinderteneigenschaft angeben muss, wenn man während der Beschäftigung danach gefragt wird!

Mehr dazu: Mein Rechtsfragen-Blog
Zuletzt geändert von Jan am 22. Februar 2012 19:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Bewerbung

Beitragvon paule » 17. Februar 2012 08:15

Halt mal, in deinem Blog schreibst du das man die Schwerbehinderung angeben muss wenn danach gefragt wird und das diese Frage zulässig ist, jedoch nicht wie du hier in deinem Beitrag sagst, immer angegeben werden MUSS. Wie denn nun?
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Re: Bewerbung

Beitragvon Jan » 22. Februar 2012 19:42

paule hat geschrieben:Halt mal, in deinem Blog schreibst du das man die Schwerbehinderung angeben muss wenn danach gefragt wird und das diese Frage zulässig ist, jedoch nicht wie du hier in deinem Beitrag sagst, immer angegeben werden MUSS. Wie denn nun?


Ich hab das noch einmal klarer formuliert, das BAG hat dazu entschieden, ob die Frage beantwortet werden muss, wenn man während der Beschäftigung gefragt wird.

Insgesamt muss man grundsätzlich nicht viel von sich aus sagen, insbesondere nicht, dass man schwerbehindert ist.
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Re: Bewerbung

Beitragvon Kairi92 » 6. März 2012 21:54

Hei ich hab auchmal eine Frage:
Soweit ich weis müssen Firmen doch immer einen mindestprozentsatz an "Behinderten" beschäftigen.
Könnte man dass evtl "ausnutzen" (also ich habe 50% zählt dass dann auch dazu?)

Liebe grüße
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Re: Bewerbung

Beitragvon Jan » 6. März 2012 23:02

Kairi92 hat geschrieben:Hei ich hab auchmal eine Frage:
Soweit ich weis müssen Firmen doch immer einen mindestprozentsatz an "Behinderten" beschäftigen.
Könnte man dass evtl "ausnutzen" (also ich habe 50% zählt dass dann auch dazu?)

Liebe grüße
Kairi


Jein, es gibt keine echte Pflicht, denn wenn der Arbeitgeber es nicht will, dann muss er maximal eine Strafe zahlen und die ist nicht hoch. Wenn ein Arbeitgeber aber Schwerbehinderte bevorzugt (wie z. B. große Behörden, wie Bundes- oder Landesbehörden) dann hast Du einen Vorteil.
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Re: Bewerbung

Beitragvon paule » 7. März 2012 17:30

wie z. B. große Behörden, wie Bundes- oder Landesbehörden


Diese Bevorzugung ist, wie ich aus eigener Erfahrung und auch von anderen Leuten weiss, nur noch auf dem Papier vorhanden. Es kommt einfach darauf an wer die Bewerbungen bearbeitet, mag sein das es noch Behörden gibt die so handeln, die die ich kenne nicht.
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Re: Bewerbung

Beitragvon Jan » 8. März 2012 22:05

paule hat geschrieben:
wie z. B. große Behörden, wie Bundes- oder Landesbehörden


Diese Bevorzugung ist, wie ich aus eigener Erfahrung und auch von anderen Leuten weiss, nur noch auf dem Papier vorhanden. Es kommt einfach darauf an wer die Bewerbungen bearbeitet, mag sein das es noch Behörden gibt die so handeln, die die ich kenne nicht.


Ich weiß aus dem Familienkreis, dass es die gibt...
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Re: Bewerbung

Beitragvon Kairi92 » 13. März 2012 23:43

Allso könnte das einem einen evtl.Vorteil ( bzw. so ne art ausgleich oder so) sein muss aber nicht...?!
Und wie sieht es dann bei Bewerbungen bei universitäten/Hochschulen (und den studentenwohnungen) aus??
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Re: Bewerbung

Beitragvon Jan » 16. März 2012 20:19

Kairi92 hat geschrieben:Allso könnte das einem einen evtl.Vorteil ( bzw. so ne art ausgleich oder so) sein muss aber nicht...?!
Und wie sieht es dann bei Bewerbungen bei universitäten/Hochschulen (und den studentenwohnungen) aus??


Ja kann.
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Re: Bewerbung

Beitragvon Kairi92 » 20. Mai 2012 00:31

Ich will mich ja für Oktober an der Hochschule in München bewerben und habe im Studentenwerk gefragt wie das ist mit den wohnungen ausschaut und dass ich Dm habe. Die nette Frau hat gemeint, dass ich mich als Härtefall bzw mit "Behinderung" anmelden soll und dann würde ich sogar eine Wohnung bekommen wo ich mir evtl raussuchen kann wo die sein soll... Muss ich nur noch nen Studienplatz bekommen...
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Re: Bewerbung

Beitragvon Kruemel » 21. Mai 2012 18:35

Es kommt wohl immer auf die Universitäten an.
Nachfragen kostet nichts, allerdings könnte ich z.B. an meiner derzeitigen Uni keinen Härtefallantrag stellen.

Ich wünsche dir viel Glück, dass du deinen Wunschstudienplatz ergatterst, Kairi ;)
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Re: Bewerbung

Beitragvon Kairi92 » 21. Mai 2012 18:45

Das mit dem härtefall bezieht sich aber (leider) nur auf die Studentenwohnung, nicht auf der Schule, an die ich gern möchte...

Und das Wunschstudium dass ich gern machen möchte geht nicht, dazu müsste ich zuerst eine Ausbildung machen...
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