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11. Kapitel

Hier findet ihr die Diabetes-Geschichte!
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11. Kapitel

Beitragvon Caro » 23. Januar 2006 18:40

Erinnerungen


Der nächste Tag begann eher friedlich. Jessicas Nacht war diesmal wesentlich besser gewesen, was wohl auch daran lag, dass sie diesmal weniger Lantus gespritzt hatte, sie war von 16 auf zwölf Einheiten hinuntergegangen. Pfleger Jens hatte eigentlich 13 Einheiten nehmen wollen, aber es hatte sich herausgestellt, dass man Jessicas Lantus-Pen nur in Zweierschritten verstellen konnte. Somit hatte sie zwölf Einheiten genommen, was sich als goldrichtig erwies. Ihr Wert vor dem Schlafengehen war deutlich zu hoch (254 mg/dl) aber sie spritzte nichts herunter. Um Mitternacht lag sie bei 167 mg/dl und um drei Uhr („Da ist normalerweise der Tiefpunkt“, hatte ihr Schwester Brigitte, die wiederum Nachtdienst hatte, erklärt.) 119 mg/dl. Ihr Morgenwert begeisterte sie besonders, da man ihr kurz vor dem Messen erklärt hatte, die Werte seien bei Jugendlichen morgens häufig zu hoch, da es nach drei Uhr einen Anstieg eines bestimmten Hormons gab, dass zur Blutzuckererhöhung beitrug. Doch Jessicas morgendlicher Wert lag bei 127 mg/dl. Auch kam sie diesmal viel schneller aus den Federn und auch Janine ließ sich ein wenig von Jessicas guter Laune anstecken. Sie lachte des Öfteren und machte auch selbst ein paar Scherze, sprach sogar länger mit Jessicas Vater, der sie, wie jeden Tag, zusammen mit ihrer Mutter, besuchen kam. Die Eltern hatten Jessica Erdnüsse mitgebracht.
„Ah, Erdnüsse, das ist gut. Wenn du nicht alles auf einmal in dich hineinschlingst, kannst du einige davon essen, ohne abzuspritzen“, lobte Pfleger Jens, der Jessica und Janine seinen morgendlichen Besuch abstattete, die Wahl ihrer Eltern.
Das Frühstück war in Ordnung, auch wenn Jessica nur die Hälfte ihres Brötchens aß. Das war allerdings nicht weiter verwunderlich, denn morgens hatte sie nie viel Appetit. Was aber das Beste an Jessicas Morgen war, war das Blutzuckermessen. Es klappte so gut, dass Jessica Pfleger Jens am liebsten um den Hals gefallen wäre. Das Blut, das aus ihrem Finger kam, erschreckte sie diesmal gar nicht. Dann hatte Pfleger Jens noch eine Idee: „Also, normalerweise macht man das ja nicht, aber ich habe mit Schwester Sonia geredet und sie meinte, es sei eine gute Therapie für Leute, die kein Blut sehen können. Wenn du das Blut auf den Teststreifen gebracht hast, ist ja immer noch ein Rest Blut am Finger. Schwester Sonia meinte, es sei sinnvoll, den abzulecken.“ Dabei guckte er zwar leicht angewidert, aber dennoch bestimmt. Jessica hielt das für eine sehr komische Methode und dementsprechend musste auch ihr Gesicht gewesen sein, denn Pfleger Jens fügte erklärend hinzu: „Der direkte Kontakt mit dem Blut soll dich angeblich vertrauter damit machen.“ Jessica schaute etwas angeekelt auf ihren noch blutenden Finger, dann führte sie ihn vorsichtig zum Mund und leckte das Blut ab. Es schmeckte ein bisschen salzig und sauer, aber nicht schrecklich. Und auf eine komische Art und Weise fühlte sie sich tatsächlich gleich weniger abgestoßen. Sie lächelte. Es würde alles gut werden.

Später, es war früher Nachmittag und Janine hatte ein Gespräch mit Rita, lag Jessica auf ihrem Bett und entspannte sich. Dabei kamen in ihr plötzlich all die Erinnerungen hoch, wie es gewesen war, kurz bevor sie Diabetes bekommen hatte. An einen Tag erinnerte sie sich noch besonders gut und auch an andere Bruchstücke. Sie räkelte sich, schloss die Augen, und dachte für einige Momente in die Zeit zurück, in der sie von Insulin spritzen, Blutzucker messen und KE ausrechnen noch keine Ahnung gehabt hatte.

Es war drei Tage vor ihrem verhängnisvollen Besuch bei Dr. Hesse gewesen. Ein Schulausflug in ein Steinzeitmuseum hatte angestanden und Jessica hatte gedacht, dass allein der Gedanke an dieses Museum sie so unglaublich müde machte. Inzwischen wusste sie, dass ihr Diabetes daran schuld war und nichts Anderes. Zum Frühstück aß sie Cornflakes und trank drei Gläser Orangensaft.
„Dieser Durst bringt mich noch um! Irgendwann haben wir kein Geld mehr, weil wir alles für Orangensaft ausgeben müssen“, hatte sie gescherzt und alle hatten gelacht.
Wie blöd kam ihr dieser Witz jetzt vor! Ihr Durst, beziehungsweise die Ursache dafür, hätte sie wirklich fast umgebracht! Das war die grauenvolle Wahrheit und daran ließ sich nichts ändern. Jessica lief ein Schauer über den Rücken und sie dachte schnell an etwas Anderes, nämlich daran, wie es weiterging.
Sie war nach dem Frühstück wie fast jeden Tag auf die Waage gestiegen.
„Drei Kilo weniger als normalerweise! Hey, und das obwohl ich gar nichts gemacht habe. Das ist ja super!“
Sie erinnerte sich genau, dass sie das gedacht hatte. Obwohl sie nicht dick gewesen war (im Gegenteil, sie war auch mit drei Kilos mehr schon sehr dünn gewesen), hatte sie sich unglaublich gefreut, dass ohne ihr Zutun die Pfunde purzelten. Auch das kam Jessica heute unglaublich dumm vor. Warum hatte sie nicht überlegt, weshalb sie plötzlich so abgenommen hatte? Wieso hatte sie das einfach so hingenommen?
Als sie das ihrer Mutter erzählt hatte, hatte diese nur die Stirn gerunzelt und gemeint: „Jessica, ich finde das nicht gut. Das ständige Trinken und jetzt nimmst du auch noch so sehr ab! Ich denke, ich werde einen Termin für dich bei Doktor Hesse machen. Am besten in drei Tagen, da habe ich auch Zeit, mitzukommen.“
„Nein, das geht nicht! Da bin ich mit Nathalie verabredet!“, hatte Jessica gleich protestiert.
„Das muss verschoben werden. Donnerstag. Das ist der einzige Tag, an dem ich auch kann.“
„Aber warum soll ich zum Arzt? Sind das Anzeichen für irgendeine Krankheit?“, hatte Jessica wütend erwidert.
„Ja, ich denke schon. Aber ich will doch auch nur sichergehen. Das musst du doch verstehen, Jessica.“
„Nein, das verstehe ich nicht! Mir geht es gut. Ich trinke halt nur im Moment mehr als sonst. Na und? Wofür soll das schon ein Anzeichen sein?!“
„Für Diabetes, zum Beispiel.“
Heute war Jessica sich sicher, dass ihre Mutter das nicht hatte sagen wollen. Sie hatte Jessica noch nie beunruhigt, wenn es nicht angebracht gewesen war. Jessica hatte sie nur so in Rage getrieben, dass es ihr einfach so herausgerutscht war. Ein kleines Wort, acht winzige Buchstaben, und dennoch: Sie ließen Jessica stutzen.
Diabetes. Nathalies Krankheit. Schon damals hatte sie das gedacht. Aber nur kurz. Dann hatte sie verdrängt, was sie damals in ihrem tiefsten Innern gespürt hatte: Dass ihr Leben sich ändern würde. Durch eine Krankheit, von der sie fast gar nichts wusste. Sie hatte nicht mehr daran gedacht. Diabetes, das war für sie etwas, was nur Leute bekamen, die ungesund lebten, oder in deren Verwandtschaft das vorkam. Warum also sollte ausgerechnet sie, Jessica, die noch nie richtig krank gewesen war, so eine Krankheit bekommen? Das war doch lächerlich. Immer und immer wieder redete sie sich das ein, bis sie es selbst glaubte. Und als sie es selbst glaubte, ließ sie keine andere Meinung mehr zu.
Der Schulausflug fing eigentlich ganz lustig an. Sie saß zusammen mit Mary J, Verena und Carina im Zug und… trank Orangensaft in Massen. Dabei erzählte Carina gerade einen Witz (Jessica erinnerte sich gar nicht mehr genau, wovon der gehandelt hatte) und sie prustete ihren Orangensaft aus- direkt auf die hoch toupierten Haare der vor ihr sitzenden Frau. Die schaute sich empört um und Jessica tat ganz unschuldig. Ihre Freundinnen waren ihr dabei allerdings nicht wirklich behilflich, denn sie lachten die ganze Zeit. Wirklich die ganze Zeit. Noch vor dem Museum kicherte Verena: „Oh Mann, Jessica, das sah vielleicht komisch aus! Wie die Frau geguckt hat… und dein Blick erst, hahaha!“
Jessica verdrehte die Augen und machte sich auf einen Museumsbesuch der etwas anderen Art gefasst. Doch da fuhr ihre Klassenlehrerin, Frau Hanenberg, dazwischen: „Verena, ist das jetzt mal gut bei euch?! Ihr lacht ja die ganze Zeit! Könnt ihr wenigstens im Museum gleich ruhig sein?“
„Oh Mann“; stöhnte Mary J., „das hätte das Museum um einiges interessanter gemacht!“
Aber sie waren tatsächlich ruhig.
Das Museum war ziemlich modern. Helle Wände, viele Kurzfilme, die man per Mausklick am Computer abspielen konnte und statt eines Museumsführers gab es Kopfhörer- die einem allerdings die Ohren zu dröhnten. Sie waren unglaublich laut und ließen sich einfach nicht leiser stellen.
„MANN- GEHT DAS AUCH LEISER?!“, brüllte Mary J., deren Kopfhörer wohl besonders laut eingestellt waren.
Sofort kam aus allen Ecken ein gezischtes „Pssscht“, denn, wie laut Mary J.’s Kopfhörer auch sein mochte, sie war viel, viel lauter.
„Schon gut, schon gut. Aber meine Ohren fliegen gleich ab und dann können Sie ja sehen, wie Sie die wieder eingefangen bekommen“, meckerte Mary J. einen älteren Herrn an, der besonders böse gezischt hatte.
Der schüttelte nur unwillig den Kopf und murmelte etwas, dass sie wie „Die Jugend von heute ist ja so was von frech! Früher war alles besser!“ anhörte.
Die Klasse kicherte leise
Eine Frau vom Souvenir-Shop kam herbeigeeilt, angelockt von Mary J.’s Geschrei.
„Kind, was ist denn los? Kannst du nicht still sein?!“, meckerte sie empört los.
„Erstens bin ich kein Kind mehr. Es reicht schon wenn meine Mutter das immer sagt“, konterte Mary J. sofort.
Nun brach die Klasse in lautes Gejohle aus.
„Zweitens wäre ich stiller als die ganzen Mumien hier gewesen, wenn Ihre Kopfhörer etwas leiser gestellt wären. Das hält ja kein Schwein aus!“
„Nun, Schweine besuchen auch relativ selten unser Museum“, erwiderte die Frau, inzwischen doch etwas belustigt von Mary J.’s Aufstand. „Ich versuche, dir einen anderen Kopfhörer zu besorgen.“
„Mir bitte auch!“, bat Jessica.
„Ja, mir auch!“, nickte Carina heftig.
Die Frau guckte sich verzweifelt nach der Lehrerin um, als schließlich die ganze Klasse, stolze 32 Schüler, in ein „Mir auch!“-Geschrei ausbrach. Doch Frau Hanenberg schien unauffindbar- bis sie schließlich doch aus einer Toilette wieder auftauchte.
„Entschuldigung… Was ist denn hier los?“
„Wir wollen andere Kopfhörer“, erklärte Jessicas Freundin Josie, die auch Klassensprecherin war. „Diese hier sind viel zu laut eingestellt!“
„Besonders meiner!“, warf Mary J. ein, was erneute Lachsalven auslöste.
„Kinder…“, holte Frau Hanenberg Luft, als auch schon die ganze Klasse rief: „Es reicht schon, wenn Mary J.’s Mutter das immer sagt!“
Verdutzt schaute die Lehrerin ihre Schüler an, dann beschloss sie, sich geschlagen zu geben und wandte sich an die Frau vom Souvenir-Shop, die sie hilflos anschaute: „Entschuldigen Sie bitte. Aber Sie wissen ja… Kin… ähm, Jugendliche. Das ist schon mal so ein Problem, verstehen Sie? Könnten Sie uns 32 Paar neue Kopfhörer bringen, die extra leise eingestellt sind, bitte? Nein, lieber 33 Paar. Ich will meine Ohren auch behalten“, fügte sie dann noch hinzu.
Jessica sah, dass sie sich bei diesem Satz dann doch das Grinsen verkneifen musste. Sie nutzte den Tumult aus, um noch einmal zu ihrem Rucksack, den sie an die Garderobe gehängt hatte, zurück zu gehen. Dort befand sich ihre Literflasche mit Orangensaft, die schon fast wieder leer war. Vorsichtig trank sie und schaute sich immer wieder um. Eigentlich war es ja verboten, in diesem Museum zu trinken, aber sie konnte sich gegen diesen unbändigen Drang nicht wehren.
Der Museumsbesuch war sehr langweilig, an viel mehr erinnerte Jessica sich schon gar nicht mehr, nur daran, dass die Kopfhörer, die sie alle bekommen hatten, nun so leise waren, dass man so gut wie gar nichts verstand.
Als die Führung beendet war (zumindest vermuteten alle, dass sie beendet war, denn statt eines leisen Flüsterns aus den Kopfhörern hörte man nun rein gar nichts mehr), entschied Frau Hanenberg: „Jetzt habt ihr eine Dreiviertelstunde Zeit, euch hier noch einmal alles anzusehen. Danach treffen wir uns wieder am Haupteingang um gemeinsam zum Zug zurück zu gehen.“
Jessica nutzte die Dreiviertelstunde, um aufs Klo zu verschwinden, und zwar mit ihrer Trinkflasche. Sie trank alles in einem Zug aus, ihre Augen brannten und sie fühlte sich schrecklich. Sie schwitzte und ihr Herz raste, sie war müde, ihr war schlecht und sie hatte noch immer Durst. Sie stützte sich am Waschbecken ab und schaute in den Spiegel. Ein bleiches Wesen mit dunklen Augenringen und Schweißperlen auf der Stirn starrte ihr entgegen. Das konnte unmöglich sie sein! Schnell spritzte sie sich kaltes Wasser ins Gesicht, was aber auch nicht viel half.
Plötzlich ging die Tür auf und ihre Freundin Yasmina stand vor ihr.
„Jessy! Um Himmels Willen! Du siehst ja schrecklich aus!“, rief sie.
„Danke“, grummelte Jessica sarkastisch.
„Soll ich Frau Hanenberg holen?“
„Bloß nicht. Das fehlte gerade noch! Damit ich in einer großen Rettungsaktion nach Hause gebracht werde und meine Mutter mich sofort zum Arzt schleppt?! Nein danke, mir geht’s doch bestens“, protestierte Jessica, schaute noch einmal kurz in den Spiegel und musste dann feststellen, dass sie wohl recht unglaubwürdig wirken musste.
Yasmina hatte schon recht: Sie sah wirklich schrecklich aus.
„Natürlich und die Mumien da oben sind lebendig! Jessy, was ist mit dir?“, fragte Yasmina besorgt.
Da fiel ihr Blick auf die leere Flasche, die am Boden lag. Umgekippt. Es war ein seltsames Bild.
Yasmina hob sie Flasche auf, stellte fest, dass sie leer war, schaute zu Jessica und wieder zur Flasche und erneut zu Jessica.
Dann fragte sie, fast flüsternd: „Aber Jessy- du hast doch keinen Alkohol getrunken?“
Nun musste Jessica doch fast lachen.
„Natürlich nicht. Da war Orangensaft drin. Kannst ja meinetwegen dran riechen, wenn du mir nicht glaubst“, entgegnete sie.
Daraufhin roch Yasmina tatsächlich an der Flasche und atmete dann erleichtert auf.
„Tut mir Leid, dass ich das gedacht hab, Jessy. Aber du siehst so schrecklich aus!“, sagte sie schon wieder.
„Ich weiß es inzwischen, danke“, sagte Jessica leicht beleidigt.
„Tut mir Leid. Ist ja nicht so gemeint. Aber irgendetwas muss doch mit dir los sein?! Warum nimmst du eine Orangensaftflasche mit auf die Toilette?“
„Weil ich Durst hatte.“
„Und du konntest nicht warten, bis wir wieder draußen sind?“
„Nein.“
„Warum denn nicht? Jetzt lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!“
„Na ja, ich hab seit einiger Zeit… es ist noch nicht allzu lange, vielleicht zwei Wochen oder so… seitdem habe ich ständig Durst, ich trinke nur noch und kann gar nicht mehr aufhören. Ich kann mich auf nichts konzentrieren, denke nur an eisgekühlten Orangensaft, oder an Fanta, Cola, Apfelsaft. ALLES, was es gibt, würde ich trinken und alles auf einmal. Ich weiß auch nicht… aber das ist sicher bald wieder vorbei.“
Yasmina schwieg und sah Jessica lange an.
„Was ist?“, fragte diese irritiert.
„Jessy… viel Trinken ist ein Anzeichen dafür, dass man Diabetes hat. Das weißt du doch, oder?“, sagte sie leise.
Jessica starrte Yasmina wütend an. Hatte sich die ganze Welt gegen sie verschworen und wollte ihr eine Krankheit einreden, die sie nicht kannte? Was sollte das? Warum tauchte dieses Wort jetzt schon zum zweiten Mal an einem Tag auf? Warum hatte es sich plötzlich in großen, fetten Buchstaben unwiderruflich in ihr Gehirn eingebrannt?
„Nein. Das weiß ich nicht!“, sagte sie ruhig, dann nahm sie Yasmina ihre Flasche aus der Hand, schritt entschlossen zur Tür und knallte sie hinter sich zu. Das „Jessy! Warte doch! Was ist denn bloß los mit dir?!“, hörte sie nur noch aus der Ferne.
Sie wollte nichts mehr hören, nicht mehr an diese Krankheit denken, alles vergessen, nur noch nach Hause. Schlafen. Trinken. Mehr nicht. Und sie wollte nichts mehr hören von Diabetes, Zuckerkrankheit und Ärzten. Sie schüttelte unwillig den Kopf und setzte sie auf eine Treppenstufe. Da saß sie ganz alleine und fühlte sich so elend wie selten zuvor. Wo war denn die alte Jessica geblieben? Hatte sie die etwa auf dem Weg von der Toilette ach oben verloren? Was war los mit ihr? Wieso ging ihr das Gesicht im Spiegel nicht mehr aus dem Kopf?
Es war wahrscheinlich dieser Moment gewesen, in dem Jessica zum ersten Mal gespürt hatte, dass sich etwas ändern würde.

Jetzt lag sie noch immer auf ihrem Bett und dachte über diesen Tag nach. Es war komisch, ihn jetzt in so einem anderen Licht zu sehen. Als Nathalie sie bei ihrem Telefonat einen Tag später noch einmal darauf hingewiesen hatte, dass das viele Trinken ein Anzeichen für Diabetes sein konnte, hatte sie das einfach an sich abprallen lassen. Aber aus Yasminas Mund hatte das Wort so komisch geklungen, so beängstigend. Dennoch hatte Jessica das Gespräch verdrängt- bis jetzt. Mary J., Carina und Verena hatten sie kurz darauf auf der Treppe sitzend gefunden, aber sie hatte nur gesagt, ihr sei etwas schwindelig. Sie wollte nicht auch noch von den Dreien hören, was Yasmina ihr gesagt hatte.
In dem Moment kam Janine wieder herein.
„Alles klar, Jessica?“, fragte sie.
„Ja. Alles in bester Ordnung“, sagte Jessica.
Und sie meinte es auch so.
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