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6.Kapitel

Hier findet ihr die Diabetes-Geschichte!
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6.Kapitel

Beitragvon Caro » 23. Januar 2006 17:59

Janine

„So, hier ist dein Zimmer“, erklärte Schwester Victoria schließlich. Jessica, ihr Vater und die Schwester standen vor Zimmer Nummer 14, auf dessen Tür ein Hase gemalt war.
„Das ist ja schon mal ein gutes Zeichen“, dachte Jessica, die Hasen mochte und außerdem froh war, dass in ihrer Zimmernummer nicht eine weitere drei vorkam.
„Du bist mit Janine Kreiner auf einem Zimmer, sie hat auch Diabetes.“
„Aha“, sagte Jessica und lächelte.
Hoffentlich war diese Janine nett und schnarchte nicht.
„Hat sie auch erst seit kurzem Diabetes?“, fragte Jessicas Vater neugierig.
„Nein, sie hat schon seit drei Jahren Diabetes, sie ist hier nur, weil ihre Werte im Moment sehr schlecht sind. Ihr werdet euch bestimmt gut verstehen“, wandte sie sich wieder an Jessica und öffnete die Tür, natürlich nicht, ohne vorher zu klopfen.
„Hallo, Janine. Hier ist deine neue Mitbewohnerin“, lachte Schwester Victoria und betrat gemeinsam mit Jessica und ihrem Vater das Zimmer.
Das erste, was Jessica dort sah, war blau. Und dann sah sie gelb und grün und rot. So ein buntes Zimmer hatte sie selten gesehen! Als Nächstes sah sie ein Mädchen, das wohl Janine sein musste. Sie hatte rotblonde Haare und war sehr blass. Außerdem fiel Jessica auf, dass Janine ziemlich klein war und sie hätte aufgrund ihrer Größe, aber auch ansonsten, ohne Probleme als Zehnjährige durchgehen können.
„Wie alt sie wohl wirklich ist?“, dachte Jessica, sie glaubte nicht, dass man sie zu einem Mädchen, das drei Jahre jünger war als sie selbst, aufs Zimmer legen würde- oder doch?
Jessicas Bett war das, das neben dem Schrank stand, was sie nicht allzu gut fand, denn sie hätte lieber am Fenster gelegen. So wie bei sich zu Hause- morgens von den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Jalousie fielen, geweckt zu werden, das hätte sie toll gefunden. Aber so war es auch okay, immerhin kam durch die Lage am Schrank besser an ihre Sachen.
„So, ich lasse euch dann mal alleine, dann könnt ihr ein euch ein bisschen bekannt machen. Ich komme in einer halben Stunde noch einmal. Wenn Sie bis dahin schon wieder gegangen sein sollten, wünsche ich Ihnen auch noch einen schönen Tag, Herr Kissing“, verabschiedete sich Schwester Victoria.
„Danke, Ihnen auch. Ich werde mich gleich auf den Weg machen, aber ich komme später noch einmal vorbei“, erwiderte dieser.
„In Ordnung, auf Wiedersehen!“, trällerte die Schwester und schwebte aus dem Raum.
Jessica lächelte Janine an und die lächelte schüchtern zurück. Sie könnte auch von ihrem Verhalten her eine Zehnjährige sein! So etwas Scheues wie Janine war Jessica selten untergekommen. Da fiel ihr Blick auf Janines Nachttisch: Er war voll mit Fotoalben! Jessica versuchte, die Fotos genauer zu erkennen, denn sie vermutete Fotos von Janines Familie, aber als sie die Bilder schließlich besser sehen konnte, stellte sie fest, dass auf ihnen Hasen zu sehen waren. Nicht etwa kleine Kaninchen, sondern richtige Hasen und nicht gerade wenige. Das waren ja mindestens fünfzig Stück! Janine musste wohl Jessicas weit aufgerissene Augen bemerkt haben, denn sie sagte leise: „Das sind alles meine. Ich habe hundertzehn Hasen- sechzig echte und fünfzig aus Stoff. Ich wohne auf einer Art Bauernhof, wo es aber nur Hühner, Enten, die Hasen und Bobby, meinen Hund, gibt.“
„Das ist ja cool! Ich würde auch gerne auf einem Bauernhof wohnen und Hasen hätte ich auch gerne, wenn auch nicht unbedingt gleich sechzig Stück, zwei würden mir schon reichen. Unsere Nachbarin…“, plapperte Jessica drauf los, aber ihr Vater unterbrach sie: „Ich sehe schon, ihr könnt euch auch ohne mich beschäftigen. Ich komme dich dann heute Nachmittag wieder besuchen Jessica, in Ordnung?“
„Sicher, geh ruhig, ich komm schon klar“, Jessica wunderte sich, dass sie so etwas sagte, hatte sie doch vor wenigen Stunden ziemliche Angst vor dem Krankenhaus gehabt. Außerdem war sie plötzlich gar nicht mehr müde, sie fühlte sich plötzlich richtig frisch und voller Tatendrang.
Nachdem ihr Vater das Zimmer verlassen hatte, herrschte allerdings zunächst einmal Stille. Jessica hatte vor lauter Aufregung vergessen, was sie hatte sagen wollen und von Janine konnte sie wohl auch nichts erwarten, so viel hatte sie schon über ihre Zimmernachbarin gelernt. Nach ungefähr einer Minute traute Jessica sich endlich, etwas zu fragen.
„Wie alt bist du eigentlich?“
„Dreizehn.“
Diese Antwort überraschte Jessica dann doch ziemlich, sie hätte nicht gedacht, dass Janine so alt war wie sie selbst.
„Und du?“, erkundigte sich Janine. „Ich bin auch dreizehn, seit gestern.“
„Oh, herzlichen Glückwunsch nachträglich“, gratulierte Janine.
„Danke. Ich hab gerade irgendwie vergessen, warum du noch mal hier warst…“
Das hatte Jessica natürlich nicht, aber ihr fiel in dem Moment einfach nichts Besseres ein.
„Meine Werte sind im Moment ziemlich komisch. Deswegen haben meine Eltern mich hierher geschickt. Eigentlich komme ich aus Bochum.“
„Bochum?! Aber das ist doch mindestens eine Stunde von hier entfernt! Da haben es deine Eltern aber ziemlich weit, wenn sie dich besuchen kommen.“
„Ja…“, mehr sagte Janine dazu nicht und Jessica fragte auch nicht weiter nach, denn sie hatte das Gefühl, dass dieses Thema nicht gerade zu Janines Lieblingsthemen gehörte.
In ihrer Stimme hatte irgendetwas mitgeschwungen, was Jessica sagte, dass es besser war, erst einmal nicht weiter nachzufragen. Erst einmal. Sie hatte ja noch Zeit. Stattdessen erkundigte sie sich, wie der Tag hier so abliefe.
„Also, morgens wecken sie dich schon um sieben, ich hasse das richtig, sie kommen einfach hier reingeplatzt und rufen „Guten Morgen! Aufstehen!“, dann machen sie die Rollladen hoch und reißen die Fenster auf. Am schlimmsten ist Schwester Victoria. Sie ist ja eigentlich sehr nett, aber es ist richtig unerträglich zu sehen, wie munter sie schon morgens früh ist. Und dann schmeißen sie dich praktisch aus dem Bett. Wirklich, manchmal können die ziemlich gemein sein“, sagte Janine, aber dabei lachte sie, wenn auch etwas verhalten, deshalb hoffte Jessica, dass es nicht ganz so schlimm werden würde, wie es sich anhörte.
„Aber was wirklich blöd hier ist, ist, dass die Nachtschwestern nachts um null und oft auch um drei Uhr ins Zimmer kommen und den Blutzucker messen. Meistens denken sie dann, ich würde das gar nicht mitbekommen, aber ich werde immer davon wach und kann dann nicht mehr einschlafen! Das ist vielleicht lästig, sag ich dir.“
Jessica schluckte. Das klang ja nicht gerade nach Spaß.
„Seit wann bist du hier?“, erkundigte sie sich.
„Seit drei Tagen“, antwortete Janine.
In dem Moment fiel Jessicas Blick auf den Fernseher und es wurde ihr klar, dass nicht nur die Nächte, in denen sie vermutlich von den grausamen Nachtschwestern aus dem Schlaf gerissen wurde, nicht gerade berauschend sein würden. Tagsüber würde sie auch nicht viel Spaß haben. Denn im Fernsehen liefen gerade „Die Tweenies“!“
Das guckte Janine sich freiwillig an?! Jessica begann, sich über dieses Mädchen zu wundern. Ihr Aussehen, ihr Verhalten, ihre Fernsehgewohnheiten- das entsprach alles nicht unbedingt dem typischen Bild einer Dreizehnjährigen.
Hoffentlich schaute Janine nicht den ganzen Tag solche Kindersendungen, dann würde sie am Ende noch durchdrehen...
Janine erschein Jessica jetzt irgendwie etwas abweisend, da sie sich jetzt auf den Fernseher konzentrierte und sich für Jessica nicht mehr sonderlich zu interessieren schien. Na, das sollte ihr Recht sein. Schließlich konnte sie nicht erwarten, dass Janine und sie die besten Freundinnen wurden. Ihr Blick fiel auf die Fotos- merkwürdig, wenn sie selbst Fotos mitgenommen hätte, hätte sie eher Fotos von Freunden oder ihrer Familie mitgenommen. Warum tat Janine das nicht? Jessica hoffte, dass sie das während ihres Krankenhausaufenthaltes noch herausfinden würde.
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