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4. Kapitel

Hier findet ihr die Diabetes-Geschichte!
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4. Kapitel

Beitragvon Caro » 23. Januar 2006 17:57

Der erste Diabetes-Geburtstag


Bald war es auch schon so weit: Jessicas dreizehnter Geburtstag. Und gleichzeitig ihr erster Geburtstag mit Diabetes. Sie wusste zunächst gar nicht recht, wie dieser Tag ablaufen sollte, denn sie durfte ja, bis sie nicht den richtigen Umgang mit der Krankheit gelernt hatte, keine Süßigkeiten essen und beim Kaffeetrinken am Nachmittag würde es natürlich Kuchen geben. Und dann? Sollte sie dabei sitzen und zusehen, wie sich die anderen die Bäuche voll schlugen mit all den Sachen, die sie so gerne aß? Sie war sich nicht sicher, ob sie da widerstehen konnte. Denn der Schokoladenkuchen, den ihre Mutter backen würde, war einfach köstlich. Allerdings wusste sie auch, dass sie widerstehen musste, denn sonst, so hatte der Arzt gesagt, würde es ernsthafte Schwierigkeiten geben und sie könnte ins Koma fallen. Da sie aber nicht nur so daneben sitzen wollte, während die anderen leckere Sachen aßen, hatte sie ihren Vater überreden können, ihr ein Stück Diabetikerkuchen zu kaufen. Den durfte sie erfreulicherweise essen. Dazu hatte ihre Mutter am Morgen Fanta light, Sprite light und Cola light gekauft. Wenigstens war das ein kleiner Trost, denn Jessica hatte Fanta und Co. schon immer gemocht. Und ob nun light oder nicht, schmeckte sie gar nicht richtig, während ihr Vater einen angeblich „immensen Unterschied“ herausschmeckte. Darüber konnte sie selbst zum Glück nur lachen.
Als die ersten Gäste eintrafen, bemerkte Jessica schon, dass diesmal etwas anders war als sonst. Ihre Großeltern lächelten sie zwar an, aber das Lächeln sah irgendwie mitleidig und leicht gekünstelt aus und bei den anderen Gästen war es nicht anders. Allerdings sprach keiner Jessica direkt darauf an und das war es, was sie am meisten ärgerte. Dieses stille Schweigen, dieses bedauernde Lächeln- als ob sie todkrank wäre! Als selbst ihre Cousine Linda sie ganz eigenartig ansah, wurde es Jessica zu viel.
„Meine Güte! Warum schaut ihr mich alle so an?! Dass ich jetzt Diabetes habe, ändert doch nichts an mir und es ist auch nicht ansteckend. Außerdem könnt ihr euch eure mitleidigen Blicke sparen! Das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Diabetes ist zwar eine Krankheit, aber keine schlimme, an der ich sterben könnte! Wenn ich lerne richtig damit umzugehen, ändert sich für mich kaum etwas. Und ich werde sicher gut damit klarkommen, das verspreche ich euch!!“
Kaum nachdem sie das ausgesprochen hatte, wurde ihr bewusst, dass sie gerade etwas gesagt hatte, woran sie eigentlich gar nicht glaubte. Doch jetzt, wo sie es gesagt hatte, erschien es ihr so wirklich und greifbar, als wenn sie tatsächlich gut mit der Krankheit fertig werden würde. Als sie sich umschaute, entdeckte sie, dass ihre Verwandten ziemlich ertappt guckten. Irgendwie tat ihr schon wieder Leid, dass sie so zurechtgewiesen hatte. Eigentlich meinten sie es doch nur gut und außerdem hatte sie Geburtstag! Den würde sie sich doch nicht selbst verderben! Ob jetzt mit oder ohne Diabetes.
„Tut mir… ähm, tut mir Leid… ich wollte nur sagen, dass… also, wenn ihr Fragen habt, dann fragt mich einfach. Oder meine Freundin Nathalie, die hat auch Diabetes und müsste gleich kommen.“
Zunächst herrschte Stille.
Doch dann wollte Linda wissen: „Darfst du jetzt nie wieder was Süßes essen?“ Dabei guckte sie so ängstlich, dass Jessica lachen musste. Und da war das Eis gebrochen, ihre Familie war wieder so wie sie sie kannte- etwas verrückt, aber eben liebenswert. Alle fragten sie jetzt aus und sie antwortete sie bereitwillig auf alles, was sie beantworten konnte. Als Nathalie kam, musste auch diese viele Fragen beantworten.
„Echt neugierig, deine Verwandtschaft- wie die kleinen Kinder, die alles wissen wollen“, neckte Nathalie Jessica.
„Du bist aber auch eine gute Lehrerin. Wird ich auch eines Tages so viel darüber wissen wie du?“, fragte Jessica zweifelnd.
„Aber sicher! Du weißt doch jetzt schon ziemlich viel und im Krankenhaus werden sie dir noch so einiges mehr beibringen.“
Jessica stöhnte: „Fast schlimmer als Schule!“
„Na ja, es ist gar nicht mal so schlimm. Bei meiner letzten Schulung haben sie erzählt, dass es jetzt Hefte über Jugendliche mit Diabetes gibt, die man bei nach Feststellung im Krankenhaus bekommt. In jedem Heft wird die Geschichte von einem Jugendlichen mit Diabetes erzählt, der in dem Heft über sich und seinen Alltag mit der Krankheit schreibt. Außerdem stehen dort Tipps von Teens für Teens und ein bisschen Theorie steckt natürlich auch mit drin. Alles in einem hippen Design, damit wir uns auch dafür begeistern können.“
„Klingt gar nicht mal so übel“, fand Jessica.
„Finde ich auch. Uns haben sie auch eins von diesen Heften gegeben und ich habe mir einen Tipp von einem fünfzehnjährigem Mädchen ´raus geschrieben… den Zettel, wo das draufsteht, habe ich dir mitgebracht. Warte“, sie lief zu ihrer Tasche, kramte darin und zog schließlich triumphierend einen Zettel heraus, „da ist er!“ Nathalie drückte ihrer Freundin den Zettel in die Hand, den sie sofort zu lesen begann.



Judith, 15 aus Köln
Tipp: Wenn meine Freunde oder andere Menschen mich fragen, wie der Diabetes so ist, fällt mir manchmal nicht ein, was ich sagen soll. Deshalb habe ich mir eine Version überlegt, die kurz und knapp den Diabetes beschreibt:

Diabetes ist keine Krankheit, wie man sie sonst kennt. Ich fühle mich normalerweise fit und kann tun, was ich will. Das Problem beim Diabetes ist, dass meinem Körper ein lebenswichtiger Stoff fehlt, den ich ihm selbst von außen geben muss, das Insulin, das normalerweise in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Wie viel Insulin ich brauche, hängt vom Essen und einigen anderen Dingen, wie beispielsweise Sport ab. Deshalb messe ich meinen Blutzuckerwert vor jeder Mahlzeit und rechne dann aus, wie viel Insulin ich brauche. Wenn ich einen zu niedrigen Wert habe, spüre ich das besonders dadurch, dass ich zittere. In diesem Fall muss etwas Süßes essen oder trinken. Zu hohe Werte merkt man meistens nicht und man kann sie mit Insulin korrigieren.

Das reicht als Erklärung schon aus.

Wichtig: Wenn ihr gerade neu Diabetes bekommen habt, dann merkt euch: Diabetes ist nicht schlimm, wenn man weiß, wie man damit klarkommen kann und für mich ist er mittlerweile zum Alltag geworden. Diabetes ist keine Krankheit für Dumme, das sagt mein Vater immer wieder und ich finde, er hat Recht. Man muss tatsächlich Einiges beachten, aber es ist zu schaffen. Wir Diabetiker sind anders als andere: Wir müssen sehr verantwortungsvoll sein und uns gut kontrollieren können.
Aber vergesst nie: Jeder Mensch ist etwas Besonderes auf seine eigene Art und zu unserer gehört nun mal der Diabetes dazu. Aber davon sollte man sich nicht unterkriegen lassen!

„Wow“, war alles, was Jessica sagen konnte. „Das macht irgendwie Mut.“
„Und es ist wahr“, meinte Nathalie.
„Ja, das ist es wohl“, stimmte Jessica zu, „Trotzdem habe ich immer noch ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich daran denke, dass ich morgen um diese Uhrzeit schon im Krankenhaus liege…“
„Ach Jessy…“ Nathalie umarmte sie kurz. „Das wird schon alles nicht so schlimm werden! Ich helfe dir- ganz bestimmt! Du schaffst das, wie schon Millionen andere Diabetiker auch!“

Am Abend lag Jessica in ihrem Bett und dachte noch einmal über den Tag nach. Sie hatte wunderschöne Geschenke bekommen und der Diabetikerkuchen hatte auch geschmeckt. Außerdem schien ihre Verwandtschaft am Ende gar nicht mehr so richtig daran zu denken, dass sie nun Diabetes hatte, oder sie fanden es nach allen Erklärungen schließlich auch völlig normal- jedenfalls waren sie zum Schluss alle so gewesen wie immer.
Jessica musste lächeln. Das Krankenhaus würde sie schon aufmischen! Und sie würde sogar jeden Tag Besuch bekommen. Langweilig würde es sicher nicht werden und vielleicht würde sie es sogar ganz gut überstehen! Mit diesem Gedanken schlief sie zufrieden ein.
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Re: 4. Kapitel

Beitragvon Kratzbuerste » 2. Januar 2010 13:12

Caro hat geschrieben: Und ob nun light oder nicht, schmeckte sie gar nicht richtig, während ihr Vater einen angeblich „immensen Unterschied“ herausschmeckte. Darüber konnte sie selbst zum Glück nur lachen.


Mein Bruder und mein Dad sagen das auch immer, ich schmecke da keinen unterscheid
Ich glaube, daß die Krankheiten Schlüssel sind, die uns gewisse Tore öffnen können. Ich glaube, es gibt gewisse Tore, die einzig die Krankheit öffnen kann.
(André Gide)


Für die einen ist es Typ1, für die anderen erfolgreiches Outsourcing der körpereigenen Insulinproduktion.
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Re: 4. Kapitel

Beitragvon paule » 2. Januar 2010 16:02

Bald war es auch schon so weit: Jessicas dreizehnter Geburtstag. Und gleichzeitig ihr erster Geburtstag mit Diabetes. Sie wusste zunächst gar nicht recht, wie dieser Tag ablaufen sollte, denn sie durfte ja, bis sie nicht den richtigen Umgang mit der Krankheit gelernt hatte, keine Süßigkeiten essen und beim Kaffeetrinken am Nachmittag würde es natürlich Kuchen geben. Und dann? Sollte sie dabei sitzen und zusehen, wie sich die anderen die Bäuche voll schlugen mit all den Sachen, die sie so gerne aß? Sie war sich nicht sicher, ob sie da widerstehen konnte.


Find ich schon bisschen krass, stimmt ja so heute auch nicht mehr, oder wie wars bei eurer Ersteinstellung? Ich weiss das es bei mir so war aber schliesslich ist das auch schon 25 Jahre her, verfahren die Ärzte da heute nicht anders?
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