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3.Kapitel

Hier findet ihr die Diabetes-Geschichte!
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3.Kapitel

Beitragvon Caro » 23. Januar 2006 17:57

Der Tag danach


Am nächsten Tag war es dann soweit: Jessica ging- diesmal mit ihrem Vater- zum Blutzuckertesten zum Arzt. Nur diesmal sollte ihr richtig viel Blut abgenommen werden und ohne das Messgerät, sondern mit einer richtigen Spritze. Für Jessica war das der pure Horror, da sie ja kein Blut sehen konnte und außerdem hatte sie auch etwas Angst, es könne wehtun. Sie hatte deswegen extra noch am selben Morgen eine SMS an Nathalie verschickt und sie gefragt, ob das Blutabnehmen sehr schmerzhaft sei. Nathalie, die gerade auf dem Weg zur Schule gewesen war, hatte ihr zurück geschrieben, ob sie denn noch nie Blut angenommen bekommen habe. Als Jessica antworte, sie könne sich zumindest nicht erinnern, erklärte Nathalie ihr, dass das überhaupt nicht wehtue. Immerhin ging es Jessica danach ein bisschen besser, obwohl sie immer noch ein wenig Angst hatte.
„Wir schicken die Blutprobe an ein Labor, die uns dann den genauen Blutglukosewert mitteilen werden“, erklärte Frau Hahner, ebenfalls eine Sprechstundenhilfe, Jessica und ihrem Vater wenig später. „In Ordnung, dann werde ich dir jetzt etwas Blut abnehmen“, kündigte sie die von Jessica so gehasste Sache an.
„Hmhm“, krächzte sie, mehr brachte sie gar nicht heraus.
Ihr Vater, der das schon von Jessica kannte, erklärte der Sprechstundenhilfe die Situation: „Jessica kann kein Blut sehen. Wenn es irgendwie geht, dann nehmen sie ihr das Blut so ab, dass sie es nicht sieht…“
„Sie braucht ja nicht hin zu gucken“, meinte Frau Hahner, „Niemand zwingt sie dazu. In Ordnung, Jessica?! Nicht hingucken. Das gibt dann jetzt einen kleinen Pieks. Das tut auch gar nicht weh…“
Frau Hahner redete Jessica gut zu, wie zu einem kleinen Kind, das einfach nicht einschlafen will und Jessica kam sich allmählich ein wenig blöd vor. Schließlich spürte sie den „kleinen Pieks“ in ihrem rechten Arm und dann merkte sie, wie ihr Arm begann, sich irgendwie hohl anzufühlen, als würde er ausgesaugt. Aber hingucken wollte sie auf keinen Fall, schließlich reichte ihr das Gefühl vollkommen aus. Als Frau Hahner endlich fertig war, konnten Jessica und ihr Vater wieder nach Hause gehen.
„Wir rufen sie dann heute Nachmittag an und sagen ihnen, wie es weitergehen soll“; erklärte Frau Hahner ihnen noch und da waren sie auch schon wieder aus der Arztpraxis hinaus.
„Und, war das jetzt so schlimm?!“, fragte Jessicas Vater sie.
„Nein“, knurrte sie, „Aber es hat sich angefühlt, als würde sie meinen Arm leer pumpen!“
Ihr Vater lachte.
„Du meine Güte, Jessica, du stellst dich ja vielleicht an!“
„Und was bringt das Blutabnehmen jetzt?“, lenkte Jessica schnell ab, da sie es hasste, wenn ihr Vater sie aufzog.
„Das hat die Sprechstundenhilfe doch erklärt: Sie schicken deine Blutprobe an ein Labor, die den genauen Blutzuckerwert…“
„Blutglukosewert“, korrigierte Jessica ihn.
„Meinetwegen auch das. Das Labor bestimmt dann den genauen Wert und sie rufen uns an…“
„Um uns mitzuteilen, wann ich ins Krankenhaus muss und was mein genauer Wert ist“, fiel Jessica ihrem Vater schon wieder ins Wort.
„Stimmt genau. Jessica, du hast ja doch aufgepasst! War das etwa nur ein Ablenkungsmanöver?“, ihr Vater hatte sie durchschaut.
„Öhm, wie kommst du denn darauf? Los, komm, wir müssen nach Hause!“, wehrte Jessica ab.
Ihr Vater freute sich insgeheim, dass es ihr wieder ein wenig besser zu gehen schien. Er wusste, was auf sie zukommen würde und er wusste auch, dass es sicher nicht immer leicht werden würde, aber in einem war er sich sicher: Jessica würde das schon schaffen, irgendwie. Sie hatte noch nie einfach so aufgegeben.

Am Nachmittag, sie hatte immer noch keinen Anruf aus der Arztpraxis erhalten, rief Jessica bei Nathalie an. Diese hob auch schon nach dem ersten Klingeln ab. „Jessy?!“, fragte sie gleich.
„Bingo“, antwortete Jessica.
„Na, du hörst dich ja schon viel besser an als gestern“, fand Nathalie.
„Na ja, begeistert bin ich immer noch nicht, aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass ich erst am Montag oder so ins Krankenhaus komme. Ich will meinen Geburtstag echt nicht im Krankenhaus feiern. Falls man das dort feiern nennen kann!“, sagte Jessica, diesmal klang sie allerdings nicht so (einigermaßen) gut gestimmt wie zuvor.
„Ach komm schon, du musst bestimmt heute noch nicht ins Krankenhaus!“
„Woher willst du das denn wissen? Das wäre doch nur normal“, entgegnete Jessica, und futsch war ihre „Hoffnung“, von der sie gerade noch gesprochen hatte.
„Na, schon, aber bei dir muss einfach eine Ausnahme gemacht werden, schließlich hast du übermorgen Geburtstag! Lass dich nicht hängen, Jessy! Wenn dieser Arzt einigermaßen in Ordnung ist, wird er dich heute noch nicht ins Krankenhaus schicken und dich vorher noch deinen Geburtstag feiern lassen!“
„Wie du meinst. Aber entscheidet der das überhaupt? Und was ist, wenn doch?“ „Manometer, Jessica! (Wenn Nathalie „Jessica“ statt „Jessy“ sagte, war sie entweder sehr genervt oder wütend). Du bist ja echt schlimm! Wenn er dich heute doch ins Krankenhaus schickt, dann gehst du ins Krankenhaus- ganz einfach! Und Sonntag kommen alle deine Freunde, Bekannte und Verwandte vorbei und schmeißen ne Riesenparty!“
„Klingt toll. Riesenparty im Krankenhaus, als wenn die das erlauben würden“, knurrte Jessica resignierend.
„Das müssen sie! Wenn nicht, bekommen sie es nämlich mit mir zu tun! Und jetzt hör, verdammt noch Mal, auf, Trübsal zu blasen! Wir hätten nicht telefonieren sollen- bis gerade warst du noch gut gelaunt!“, ärgerte sich Nathalie.
„Na ja, es ging so. Nicht so richtig. Ist aber auch egal. Ich halte dich weiter auf dem Laufenden. Tschüss“, versuchte Jessica das Gespräch zu beenden, aber da kannte sie Nathalie schlecht.
„Nichts da tschüss! Ich mein es ernst, Jessica! Hör auf, den Kopf hängen zu lassen! Dein Leben geht weiter, ob du nun vor oder nach deinem Geburtstag ins Krankenhaus kommst. Und überhaupt, wir reden hier über ungelegte Eier. Warte doch erst einmal ab. Das wird schon. Klar?!“
„Klar“, nuschelte Jessica halbherzig.
„ICH HAB GEFRAGT, OB DAS KLAR IST?!“, schrie Nathalie so laut in den Hörer, dass Jessica zusammenzuckte.
„Ja, klar!“, antwortete sie schnell und einigermaßen laut.
„Na dann ist ja gut- so gefällst du mir schon viel besser“, lachte Nathalie.
Bei anderen Leuten wäre Jessica sicherlich ausgeflippt, hätten sie sie so angeschrien. Aber es war nun einmal Nathalies Art, sehr temperamentvoll zu sein, Jessica kannte sie nicht anders. Nathalie meinte das Schreien auch nie böse und wollte sie damit nur motivieren und das wusste Jessica ebenfalls.
„Okay, dann mach ich jetzt mal Schluss, ich will dich ja nicht nerven“, erklärte Nathalie. „Halt mich auf dem Laufenden, okay?“
„Geht klar. Bis dann!“
Und wieder war ein Gespräch der beiden zu Ende und wieder fühlte Jessica sich danach ein kleines Stück besser.

Etwa eine Stunde später kam der erlösende Anruf der Arztpraxis. Ergebnis: Jessica hatte 426 mg/dl, was sehr hoch war, aber dennoch hatte der Arzt entschieden, dass Jessica erst am Montag ins Krankenhaus müsse. Allerdings durfte sie nur unter der Bedingung, weiterhin ausschließlich zucker- und stärkefreie Lebensmittel zu essen, vorerst zu Hause bleiben. Ihr fiel ein Stein vom Herzen. Montag war in Ordnung, damit konnte sie leben. So konnte sie ihren Geburtstag immerhin zu Hause verbringen.
Und schon wieder rief sie bei Nathalie an.
„Nathalie Fröhlich?“, meldete sich Nathalie.
„Hallo, hier ist Jessica!“, rief Jessica in den Hörer.
„Lass mich raten- du musst erst am Montag ins Krankenhaus?“, riet Nathalie.
„Och, Mensch. Woher weißt du das denn schon wieder?“, fragte Jessica enttäuscht.
„Du hörst dich irgendwie erleichtert an. Deshalb. Stimmt es wirklich? Na, siehst du, ich hab’s dir doch gesagt!“
„Ja, Natha, schon klar: Du bist die große, allwissende Hellseherin, ich habe Respekt vor dir“, scherzte Jessica.
„Haha. Sehr witzig. Aber, mal im Ernst, das ist ja echt super!“
„Ja, finde ich auch. Ach, übrigens, ich wollte dich noch was fragen: Kannst du mir vielleicht mal ein bisschen über Diabetes erzählen?“
„Na klar kann ich das, sogar sehr gerne. Was willst du denn wissen?“
„Hmm, keine Ahnung. Was ich jetzt in Zukunft beachten muss zum Beispiel und was bei Diabetes im Körper abläuft“, schlug Jessica vor.
„In Ordnung. Sie werden dir im Krankenhaus bestimmt noch ausführlich darüber berichten, aber ich kann dir ja auch schon mal ein bisschen erzählen: Also: Du musst ab jetzt messen und spritzen. Du fragst dich wahrscheinlich, wozu. Das musst du, weil bei Diabetes die Bauchspeicheldrüse nicht mehr funktioniert. Das heißt, am Anfang, wenn du Diabetes ganz frisch bekommst, funktioniert sie noch zu etwa zehn bis zwanzig Prozent. Dann bist du in der so genannten Remissionsphase. Die kann unterschiedlich lange andauern.“
„Und woran merke ich, dass sie vorbei ist?“, diese Remissionsphase interessierte Jessica wirklich.
„Na ja, daran, dass deine Werte dauerhaft sehr schlecht sind. Wenn die Remissionsphase vorbei ist, funktioniert nämlich die Bauchspeicheldrüse überhaupt nicht mehr.“
„Was hat das eigentlich alles mit der Bauchspeicheldrüse zu tun?“, wollte Jessica als Nächstes wissen.
„Die Bauchspeicheldrüse produziert Insulin und das braucht man, um zu überleben. Das Insulin sorgt nämlich dafür, dass deine Werte normal bleiben. Wie genau, weiß ich auch nicht, dafür sind die im Krankenhaus zuständig.“
„Und wie bekomme ich das Zeug ab jetzt?“, erkundigte sich Jessica, die etwas verwirrt war.
„Na, natürlich durchs Spritzen!“
„Wie, ich spritze dieses Insu-was-weiß-ich…“
„Insulin.“
„Ja, genau, das. Das spritze ich mir jetzt immer? Und wann überhaupt?“
„Ja, das spritzt du jetzt immer. Mit so einem Ding, das nennt sich Pen und sieht aus wie ein Stift. Du spritzt immer, wenn du einen zu hohen Wert hast oder etwas isst. Das Essen würde deinen Wert in die Höhe treiben, es sei denn, es ist etwas ohne Zucker und Stärke, deshalb musst du das mit dem Insulin ausgleichen.“
„Okay, verstanden. Und das Messen?“
„Das Messen hast du ja schon mal gemacht. Das wird dir wahrscheinlich mehr Probleme bereiten als das Spritzen, obwohl es bei fast allen umgekehrt ist. Aber du kannst ja kein Blut sehen. Das musst du dir irgendwie abgewöhnen! Du musst beim Messen, und das machst du ungefähr sieben Mal am Tag…“
„Sieben Mal?!“, kreischte Jessica, „Das halte ich nicht aus!“
„Du musst. Sorry, aber das ist nun mal so. Also, du musst dir beim Messen, wie du ja schon weißt, mit diesem länglichen Gerät, also, das heißt eigentlich Stechhilfe, in den Finger pieksen. Vorher wäschst du dir am besten die Hände oder wischst den ersten Tropfen ab, weil sich an deinem Finger noch Zucker befinden kann und der könnte den Wert verfälschen. Dann musst du das Blut herausquetschen und auf den Teststreifen tun.“
„Dieses Ding mit der gelben Fläche, das ins Messgerät gesteckt wird?“
„Genau. Du hältst deinen Finger an die gelbe Fläche auf dem Teststreifen und die nimmt dein Blut ganz von selbst auf. Dann dauert es fünf Sekunden und schon weißt du deinen Wert.“
„Mit den Werten komm ich bestimmt voll durcheinander!“, Jessica blies schon wieder Trübsal.
„Quatsch, das ist wirklich das kleinste Problem! Ich sag dir mal eben, welche Werte normal sind: Also, so von 80 mg/dl bis 130 mg/dl ist normal. Wenn du aber mal 150 mg/dl hast, ist das auch nicht tragisch, nur merk dir eins: Alle Werte unter 60mg/dl sind zu niedrig und alle über 180 mg/dl zu hoch. In etwa so. Es gibt Leute, die werden das anders sehen, und ich kenne Einige, für die sind erst Werte ab 230 mg/dl zu hoch. Aber das finde ich nicht richtig, denn für solche Leute sind Werte von 190 mg/dl ja dann fast Normalwert und das wäre falsch, denn solche Werte sind wirklich nicht gut!“
„Aha… Ähm, ich glaube, ich brauche etwas Zeit, um mir das alles zu merken… Das ist ja wirklich ziemlich viel. Na ja, das werde ich ja auch noch im Krankenhaus lernen“, meinte Jessica. „Und was man bei zu hohen Werten macht, weiß ich ja jetzt auch schon: Insu… Moment, wie hieß das noch mal? Ach ja, Insulin spritzen. Aber was macht man bei zu niedrigen Werten?“
„Hey, Jessy, hast du nicht gerade noch gesagt, dass wäre dir zu viel?!“, lachte Nathalie.
„Ja ja, aber irgendwie ist das schon ganz interessant… Aber ich glaub, du hast Recht, im Krankenhaus muss ich ja schließlich auch noch was lernen- wäre ja peinlich, wenn ich schon alles weiß!“, stimmte Jessica schließlich ihrer Freundin zu. „Ja, genau, also machen wir jetzt Schluss?“, fragte Nathalie.
„Ja, ich melde mich dann bei dir, sobald es was Neues gibt“, sagte Jessica, als ihr noch etwas einfiel: „Moment, hättest du nicht Lust, übermorgen zu meinem Geburtstag zu kommen?“
„Ach, nee, weißt du, da sind dann deine ganzen Verwandten… Da will ich nicht stören!“, meinte Nathalie.
„Ach quatsch, du störst nie! Ich habe eh keine Lust, nur mit meinen lieben, netten Verwandten zu plaudern. Die Einzige in meinem Alter ist meine Cousine…“ „Linda?“
„Ja, Linda. Und die ist ja vier Jahre jünger als ich und kann ziemlich nervtötend sein. Du musst kommen, sonst bin ich ihr ganz allein ausgeliefert! Außerdem brauche ich eine Diabetesberaterin!“, protestierte Jessica.
„Ist ja gut. Also, abgemacht, ich komme.“
„Super, also dann bis spätestens übermorgen- um halb vier bei mir. Sei bloß pünktlich!“
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Re: 3.Kapitel

Beitragvon dounia96 » 1. Mai 2009 22:36

ich finde du hast das toll gemacht die geschichte hab ich erst bis zum 3.kapitel gelesen aber die ist voll interessant.ich bin gespannt wie es weiter geht.

deine dounia96

p.s.schreib mir mal caro


kissss
:) :) :) :) :) :)
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Re: 3.Kapitel

Beitragvon Kratzbuerste » 2. Januar 2010 12:39

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